Die Auferstehung von Benedikt Gimber

Es hat nicht sollen sein. Der SSV Jahn hat 94 Minuten alles in die Waagschale geworfen, musste sich am Ende aber dem VfB Stuttgart mit 2:3 geschlagen geben. Die Hans Jakob Tribüne zollte der kämpferischen Leistung der Jahnelf Tribut und feierte sie wie gewohnt nach dem Abpfiff, auch wenn den Akteuren die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben stand. Nur bei einem Spieler überwog ganz offensichtlich ein anderes Gefühl: Freude! Und dieser Spieler hieß Benedikt Gimber. Gimber selbst kam keine Minute zum Zug, grinste nach dem Spiel aber ununterbrochen. Auch beim 5:0-Sieg eine Woche zuvor grinste er, auch beim 2:2 gegen den HSV. Der Defensivmann hat zweifellos viel zu lachen nach seiner Rückkehr zum Jahn – wer würde es nicht, wenn er zuvor ein Jahr lang in Ingolstadt gespielt hatte? Man konnte deutlich erkennen, welche Last dem 22-Jährigen abegfallen sein musste. Man konnte erkennen, wie er sich authentisch freute, wieder das Trikot des SSV Jahn zu tragen, wie er sich authentisch freute, dass es hier ein Umfeld gibt, das die Leistungen der Mannschaft einordnen kann und nicht aufgrund eines hohen Etats mit überzogenen Ansprüchen schlechte Stimmung verbreitet.

Dass sich Gimber freuen durfte, diesmal der Donau in korrekter Richtung zu folgen, war schnell klar. Was zumindest auf den ersten Blick überraschend kommt, ist, dass er sich gleich in die Mannschaft spielen konnte. Beim Absteiger FC Ingolstadt 2004 kam er in der 3. Liga keine Minute zum Zug, beim SSV Jahn wurde er schon in seiner ersten Partie nach der Verletzung von Marcel Correia eingewechselt. Und schon im vierten Spiel nach der Rückkehr fand sich Gimber in der Startelf wieder, verdrängte niemanden anderes als Andreas Geipl, der seit dreieinhalb Jahren unverzichtbarer Mittelfeldmotor war.

Ausgerechnet Geipl wird verdrängt

Mit der Aufstellung überraschte Chefcoach Selimbegovic, noch mehr überraschte er, als Gimber auch in Kiel von Beginn an ran durfte – und diesmal sogar über die kompletten 90 Minuten spielte. Durch die Verletzung von Geipl in dieser Woche sollte sicher sein, dass Benedikt Gimber auch in den nächsten Spielen im defensiven Mittelfeld der Jahnelf auflaufen wird. Vom Bankdrücker bei Drittligist Ingolstadt zum Zweitligastammspieler des SSV binnen sechs Wochen – Gimber hat eine regelrechte Auferstehung erlebt.

Zugegeben, Gimbers Leistungen bei den Absteigern waren nicht sonderlich gut. Seinen Notenschnitt verschlechterte er von 3,56 zu 4,05, gegen Ende der Spielzeit 2018/19 bauten die Ingolstädter schon nicht mehr auf ihn. Aber wer kann schon Leistung bringen in einem Verein, der fünf Trainer verschleißt und versucht, sich mit viel Geld und einer Söldertruppe den Aufstieg zu erkaufen? Was man imstande ist zu leisten, wenn die Rahmenbedingungen passen, sieht man an Benedikt Gimber.

– Regensburg, 16.10.19.

 

Autor: brt

Fußball | Musik | Literatur | Geschichte

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